Bankrott

Bankrott

 

John Corrill machte folgende Aussage: „Und nun kehre ich mit meiner Geschichte nach Kirtland zurück. Nach Fertigstellung des Hauses des Herrn... fand sich die Kirche etwa mit fünfzehn oder zwanzig tausend Dollar verschuldet vor, so weit ich mich erinnern kann... Ungeachtet dessen, dass sie tief verschuldet waren, schafften sie es, ihre Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten, also beschlossen sie, es mit dem kaufmännischen Geschäft zu versuchen. Entsprechend verschuldeten sie sich in New York und anderswo mit etwa dreißig tausend Dollar für Waren und kurze Zeit später mit weiteren fünfzig oder sechzig tausend, so weit ich informiert wurde...

Während ihrer kaufmännischen und bankgeschäftlichen Operationen gaben sie sich nicht nur dem Stolz hin, sondern sie ließen auch zu, dass unter ihnen Neid aufkam, und etliche Personen wandten sich von der Kirche ab und beschuldigten die Führer der Kirche schlechter Geschäftsführung, der Selbstsucht, des Trachtens nach Reichtümern, Ehre und Herrschaft, der Tyrannisierung des Volkes und des ständigen Strebens nach Macht und Besitz. (A Brief History of the Church of Christ of Latter Day Saints, 1839, S. 26-27)

 

Der mormonische Historiker B. H. Roberts gibt zu, dass die Mormonen einen großen Warenvorrat auf Kredit gekauft hatten und von geborgtem Geld lebten: „Wir müssen nun die katastrophalen Ereignisse betrachten, die über die Heiligen in Kirtland hereinfielen... Die kaufmännischen Einrichtungen wurden erweitert und ein AUSGIEBIGER VORRAT AN WAREN WURDE AUF KREDIT GEKAUFT... Die Heiligen, so muss man zugeben, lebten VERSCHWENDERISCH VON GEBORGTEM GELD. Sie waren in den Geist der sorglosen Spekulation eingetreten, der etliche Jahre in den gesamten Vereinigten Staaten vorherrschend war und der hauptsächlich in Land-Spekulationen und übermäßigen Bankgeschäften zum Ausdruck kam und in der vorherrschenden finanziellen Panik von 1837 gipfelte.“ (Comprehensive History of the Church, Bd. 1, Seite 398)

 

Reed Peck machte folgende Aussage in Bezug auf die Schulden: „Diese Männer waren ebenfalls in heftigen Spekulationen in Bankgeschäften, Handel und anderen Geschäftszweigen verwickelt... gaben eine große Menge ihres Papiergeldes für die Bezahlung von Schulden und Besitzankäufen aus; kauften riesige Warenvorräte in Cleveland, Buffalo und N. York auf Kredit, und da sie die unfähigsten Personen der Welt bei der Bezahlung von Schulden waren, waren sie schließlich gezwungen, nach Missouri zu fliehen, und ließen ihre Gläubiger mit einem Minus von etwa 30.000 (unabhängig von dem, was sie ihren Brüdern schuldeten) und Tausenden Scheinen aus der 'Kirtland Safety Society Bank' zurück, die nicht eingelöst wurden...“ (The Reed Peck Manuscript, Seite 4-5)

 

Max Parkin gibt zu, dass einige von Joseph Smiths Scheinen unbezahlt in Kirtland zurückgelassen wurden: „...als der Prophet im folgenden Winter Kirtland verließ, ließ er EINIGE UNBEZAHLTE SCHEINE zurück, als Folge seines kaufmännischen Geschäfts, aus dem er nicht genügend Einnahmen erzielte, um die Einkaufskosten zu tilgen. Einige gläubige Heilige halfen ihm, aber es wurden nicht genügend Gelder aufgebracht, und er war gezwungen fortzugehen, ohne seine ausstehenden Schulden zu klären.“ (Conflict at Kirtland, Seite 295)

Fawn Brodie gibt folgende Information: „Das Kippen der Kirtland-Bank löste ein Hornissennest. Die Gläubiger umschwärmten Joseph, bewaffnet mit Drohungen und Haftbefehlen. Er war schrecklich verschuldet. Es gibt keine Möglichkeit zu erfahren, wie viel er und seine führenden Ältesten geborgt hatten, da die loyalen Mormonen keinen detaillierten Bericht ihrer eigenen Ansprüche hinterließen. Aber die örtlichen nichtmormonischen Gläubiger, denen er nicht zurückzahlen konnte, strebten eine Serie von Prozessen gegen den Propheten an, die das Gericht der Geauga-Grafschaft ordnungsgemäß aufzeichnete. Diese Berichte erzählen eine Geschichte über Probleme, die das Ansehen zerstört und den Geist eines geringeren Menschen gebrochen hätten.

Dreizehn Anklagen wurden zwischen Juni 1837 und April 1839 gegen ihn vorgebracht, um Beträge von insgesamt fast $25.000 einzufordern. Der geforderte Schadensersatz belief sich auf fast $35.000. Er wurde siebenmal in vier Monaten verhaftet und seine Anhänger schafften es, auf heroische Weise $38.428 Kaution aufzubringen. Von den dreizehn Anklagen wurden nur sechs vor Gericht verhandelt – ungefähr $12.000 von $25.000. In den anderen sieben wurde entweder den Gläubigern Schadensersatz geleistet oder sie gewannen sie wegen Nichterscheinens.

Joseph hatte viele zusätzliche Schulden, die nie zu einer Gerichtsverhandlung führten. Einige Jahre später stellte er eine Liste von noch ausstehenden Kirtland-Krediten auf, die auf mehr als $33.000 beliefen. Zählt man die beiden großen Kredite von $30.000 und $60.000 hinzu, die 1836 in New York und Buffalo aufgenommen wurden, so scheint es, dass die Mormonenführer nichtmormonischen Personen und Firmen gut über $150.000 schuldeten.“ (No Man Knows My History, S. 199-202)

 

Willis Thornton machte in Bezug auf die Probleme, die die Mormonen in Kirtland hatten, folgende Aussage: „Ihr materieller Besitz, ihre Häuser, ihre Farmen, ihre Läden und Gewerbeeinrichtungen, selbst ihr Tempel, waren im BEGRIFF DURCH VERFALLSERKLÄRUNG VERLOREN ZU GEHEN. Die Kirchenautoritäten haben dies immer als eine 'legale Verfolgung' beschrieben und es gibt keinen Zweifel, dass einige Gläubiger, wie Grandison Newell... besonderen Genuss daran hatten, ihre legalen Rechte durchzusetzen. Andererseits hatten die östlichen Kaufleute, die Waren im Werte von Tausenden von Dollar geliefert hatten, die in den mormonischen Läden verkauft wurden, ein Recht, so viel Bezahlung zu bekommen, wie sie konnten, ohne dass das Geschrei des Verfolgtwerdens erhoben würde. Die klare Tatsache ist, dass die Mormonen ihren materiellen 'Einsatz' in einer Orgie von spekulativen Exzessen verschwendeten.“ (The Ohio State Archaeological and Historical Quaterly, Januar 1954, Seite 32)

Nachdem die Mormonen Kirtland verlassen hatten, schrieb C. E. Emery, der gerade in der Gegend angekommen war, folgendes an seine Eltern: „Wir besuchten den großen Mormonentempel, der von Joseph Smith & Sidney Rigdon gebaut wurde... sie haben sich als so falsch und unehrlich bei ihren Geschäften erwiesen, dass sie gezwungen waren, ihren Tempel und das Dorf zu verlassen. Die Führer verschwanden in der Nacht, um sich der Verfolgung zu entziehen.“ (Ebenda, S. 30)

Joseph Smith gab in seiner History zu, dass er in der Nacht aus Kirtland floh:

 

Januar 1838 – ein neues Jahr brach auf die Kirche in Kirtland in aller Bitterkeit des Geistes der abgefallenen Pöbelherrschaft herein, der fortfuhr zu wüten und heftiger und heftiger wurde, bis Ältester Rigdon und ich genötigt waren, vor seinem tödlichen Einfluss zu fliehen, wie die Apostel und Propheten vor Alters und wie Jesus sagte: 'Wenn sie euch in der einen Stadt verfolgen, flieht in eine andere.' Am Abend des 12. Januar, ungefähr um zehn Uhr, verließen wir Kirtland zu Pferde, um der Pöbelgewalt zu entkommen, die über uns hereinzubrechen drohte, unter den Farben des legalen Prozesses, und um sich vor dem gerechten Urteil des Gesetzes zu retten.“ (History of the Church, Bd. 3, Seite 1)

 

Einige Jahre vor den Problemen in Kirtland gab Joseph Smith eine Offenbarung, in der folgendes erschien:

 

Es ist in meinen Gesetzen verboten, dass man bei seinen Feinden Schulden mache.

Aber sehet, es ist nie gesagt worden, dass der Herr nicht NEHMEN könne, WO ES IHM GEFÄLLT, UND GEBEN, WIE IHN GUT DÜNKT.

Da ihr Beauftragte seid, steht ihr in des Herrn Dienst und ist das, was ihr nach dem Willen des Herrn tut, Sache des Herrn.“ (Lehre und Bündnisse, Abschnitt 64, Verse 27-29)

 

Joseph Smiths Feinde behaupteten, dass diese Offenbarung billigte, sich von den Heiden zu borgen und die Schulden nicht zurück zu bezahlen. Der Mormonenapostel John A. Widtsoe behauptete andererseits, dass Joseph Smith in seinen geschäftlichen Transaktionen vollkommen ehrlich war:

 

Eine Lieblingsanschuldigung der Feinde des Werkes der letzten Tage gegen den Propheten ist gewesen, dass er in geschäftlichen Dingen nicht ehrlich war...

Bei normalem geschäftlichen Verlauf wurde gelegentlich von Kirchenmitgliedern oder der Kirche selbst geborgt, um Bedürfnissen sofort nachkommen zu können... Solche Handlungsweisen waren von der üblichen, akzeptablen Art, wo immer Menschen miteinander Geschäfte machen.

Joseph Smith wurde als Präsident der Kirche natürlich in jedes Kirchenunterfangen verwickelt, für das seine Unterzeichnung erforderlich war. Er tätigte auch Käufe auf eigene Rechnung...

Einhundert Jahre fleißiger Nachforschung von Antimormonenschreibern haben so wenig geschäftliche Zusammenstöße unter Joseph Smith und den Menschen seiner Tage ans Licht gebracht, so dass es für diejenigen beschämend ist, die den Propheten finanzieller Unregelmäßigkeiten beschuldigen. Es ist bis jetzt kein verlässlicher Beweis für Unehrlichkeit entdeckt worden. Es gibt keinen Beweis, dass er je versucht hätte, seinen finanziellen Verpflichtungen zu entrinnen. Stattdessen gibt es Beweise, dass er danach trachtete, jeder ehrlichen Verpflichtung nachzukommen. Zum Beispiel machte er nach dem Verlassen Kirtlands, wo sein Leben in Gefahr war, eine Liste über seine Gläubiger und die Beträge, die er jedem schuldete. Das war die Methode eines ehrlichen Mannes. Es gab keine Ausflucht. (F. M. Brodie, No Man Knows My History, S. 201) Früher oder später wurden seine ehrlichen Schulden bezahlt.“ (Gospel Interpretations, Salt Lake City, 1947, S. 139-141)

 

Nun, während es wahr ist, dass Joseph Smith eine Liste über seine Gläubiger anfertigte, beabsichtigte er offensichtlich nicht, sie zu bezahlen, denn 1842 versuchte er Konkurs anzumelden. Der Mormonenschreiber John J. Stewart erklärt: „Im Sommer 1842 bediente er sich zögernd des Bankrottgesetzes, das vom Kongress verabschiedet worden war, um sich einer schwankenden Schuldenlast zu entledigen...“ (Joseph Smith the Mormon Prophet, Seite 183)

 

Fawn M. Brodie erklärt: „Im Frühjahr 1841 stellte er eine Liste seiner ausstehenden Verpflichtungen zusammen und fand eine Gesamtheit von über $70.000 vor, zusätzlich zu einer anderen von $33.000 aus den Kirtland-Tagen. Es ist deshalb nicht überraschend, dass er mit Interesse auf das Bankrottgesetz blickte, das der Kongress 1841 verabschiedet hatte, um die Not der Schuldnerklasse zu lindern.“ (No Man Knows My History, S. 266)

 

Am 14. April 1842 berichtete Joseph Smith in seiner History folgendes: „Donnerstag, der 14. - Calvin A. Warren, Esq., Jurist aus Quincy, angekommen und begann eine Untersuchung der Grundsätze der allgemeinen Insolvenz, gemäß den Statuten, was mich betrifft; denn der Kongress der Vereinigten Staaten hatte zuvor ein allgemeines Bankrottgesetz geschaffen... das Gesetz wäre für die Heiligen genau so gut wie für die Heiden, und ob ich wollte oder nicht, ich war in diese Maßnahme hinein gezwungen...“ (History of the Church, Bd. 4, S. 594-595)

 

Am 7. Mai 1842 wurde folgendes in The Wasp (eine mormonische Zeitung) veröffentlicht:

 

Distriktsgericht der Vereinigten Staaten, innerhalb und für den Distrikt Illinois,

in der Angelegenheit des Antrags von JOSEPH SMITH aus der Hancock-Grafschaft, EINEN BANKROTT erklärt zu bekommen und von seinen Schulden freigesprochen zu werden.

Hiermit wird mitgeteilt, dass Joseph Smith, aus der Hancock-Grafschaft, vor diesem Gericht seinen Antrag gestellt hat, einen Bankrott erklärt zu bekommen und von seinen Schulden unter dem Gesetz des Kongresses befreit zu werden; für diesen Fall sei folgendes vorgesorgt: dass eine Anordnung an dieses Gericht entsprechend gegeben worden ist, den 6. Tag des folgenden Juni am Distriktsgerichtssaal in der Stadt Springfield als Zeitpunkt und Ort für die Anhörung des besagten Gesuchs festzulegen; alle interessierten Personen können dann und dort erscheinen und Klage erheben, falls sie eine vorzubringen haben, warum der Bitte besagten Gesuchs nicht gewährt werden sollte.

Datiert an diesem 28. Tag des April 1842.

J. H. ROLSTON, WARREN & WHEAT,

Anwälte für den Antragsteller.

Verteidigung: James F. Owings Clerk.“

(The Wasp, 7. Mai 1842)

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