Universalisten

Universalisten

Weil die Universalisten behaupteten, dass der Mensch für seine Sünden keine ewige Strafe erhalten würde, war die Frage der Gerechtigkeit und Gnade zu Lebzeiten Joseph Smiths ein brennendes Thema. Der Evangelist Charles G. Finney erzählt von einem Ereignis, dass sich in den 1820ern zutrug: „…Ein Universalisten-Prediger kam herein und begann seine unangenehmen Lehren zu verkünden… Leute wurden so interessiert, dass es eine große Anzahl gab, die in ihren Herzen in Bezug auf die üblich empfangenen Ansichten über die Bibel bewegt zu sein schienen… Die große Bemühung des Universalisten bestand natürlich darin, zu zeigen, dass Sünde keine endlose Bestrafung verdiente. Er schimpfte gegen die Lehre der endlosen Strafe als ungerecht, unendlich grausam und absurd… Wie könnte ein Gott der Liebe, Menschen endlos bestrafen?...

Als der Abend für meinen Vortrag kam, war das Haus überfüllt. Ich warf die Frage über die Gerechtigkeit der endlosen Strafe auf und erörterte sie jenen und den nächsten Abend hindurch. Es gab eine allgemeine Genugtuung mit der Präsentation.“ (Charles G. Finney, Seite 48-49)

Von einem anderen Ereignis sprechend sagte Charles G. Finney: „…wie es Universalisten immer tun, verweilte er hauptsächlich auf der vollkommenen Ungerechtigkeit der endlosen Strafe.“ (Ebenda, S. 120)

Der Gospel Advocate, eine Universalisten-Publikation, die in Buffalo, New York, gedruckt wurde, erklärte, dass orthodoxe Christen die „heftigen Gegner der Universalisten…“ waren. (Gospel Advocate, 21. April 1826, S. 118) Am 17. November 1826 druckte der Gospel Advocate einen Brief von einem Geistlichen an Mrs. Mary Cooley. In diesem Brief lesen wir: „Es wird laufend berichtet, dass Sie die letzte und ewige Bestrafung der Bösen verneinen und Ihren Glauben bekennen, dass alle Menschen schließlich erlöst werden… wenn Sie diesen Irrtum und diese Ketzerei nicht widerrufen, wird die Kirche sich verpflichtet sehen, Sie als ein Ketzer aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen.“

Am 3. März 1826 druckte der Gospel Advocate einen Brief von einem orthodoxen Christen, der erklärte, dass „ungläubige Prediger in die Nachbarschaft gekommen sind, die gotteslästerlich behaupten, dass es weder Hölle noch Teufel gibt, und dass all meine Ängste von Unwissenheit ausgehen.“

Wenn wir das Buch Mormon untersuchen, sehen wir, dass es mit dieser Kontroverse angefüllt ist. In Alma 1:3 lesen wir von einem bösen Mann: „Er war unter dem Volk umhergegangen und hatte das gepredigt, was er das Wort Gottes nannte…“ Im vierten Vers desselben Kapitels wird es deutlich, dass dieser Mann von seiner Lehre her ein Universalist war:

„Auch erklärte er dem Volke, alle Menschen würden am Jüngsten Tage selig werden und hätten deshalb nichts zu fürchten und brauchten auch nicht zu zittern, sondern könnten ihr Haupt erheben und sich freuen; denn der Herr habe alle Menschen erschaffen und auch alle Menschen erlöst; und am Ende würden alle ewiges Leben erlangen.“ (Alma 1:4)

Der Leser wird bemerken, dass dieser böse Mann lehrte: „alle Menschen würden am Jüngsten Tag selig werden.“ In der Universalisten-Publikation Gospel Advocate finden wir viele ähnliche Ausdrucksweisen:

„Die Universalisten glauben… alle Menschen werden sich letztendlich des Glücks erfreuen…“ (Gospel Advocate, 17. Febr. 1826, S. 47)

„…er kann und will DIE GANZE MENSCHHEIT mit einer ewig währenden Erlösung erretten…“ (Ebenda, S. 47)

„…jede Strafe wird letztlich ein Ende haben.“ (Ebenda, S. 123)

„…alle Menschen werden schließlich erlöst werden.“ (Ebenda, S. 178)

Die Universalisten lehrten, dass „der Teufel ein Nichts und eine endlose Hölle des Schwefels ein Popanz ist…“ (Gospel Advocate, 25. August 1826, Seite 245) Das Buch Mormon warnt hingegen vor einer solchen Lehre:

„Und andere schmeichelt er hinweg und sagt ihnen, es gebe keine Hölle; und er sagt ihnen: Ich bin kein Teufel, denn es gibt keinen Teufel – und so flüstert er in ihre Ohren, bis er sie mit seinen schrecklichen Ketten umwindet… und alle, die von ihnen gepackt worden sind, müssen… an den Ort gehen, der für sie bereitet ist, ja, nämlich in den Pfuhl von Schwefel und Feuer, was endlose Qual ist.“ (2. Nephi 28:22-23)

Joseph Smith könnte diese Kontroverse kaum entgangen sein. Der Mormonenhistoriker B. H. Roberts informiert uns, dass Joseph Smith bei Joseph Knight und seiner Familie wohnte „als er einundzwanzig Jahre alt war…“ (Comprehensive History of the Church, Bd. 1, Seite 85, Fußnote 1) und auf Seite 200 desselben Bandes informiert uns B. H. Roberts, dass sie Universalisten waren: „Über die Familie und der bestehenden Freundschaft zwischen ihnen und Joseph Smith haben wir schon gesprochen. Die Familienmitglieder waren vom Glauben her Universalisten…“

Richard L. Anderson von der Brigham-Young-Universität hat vor kurzem Beweise entdeckt, dass Joseph Smiths eigener Vater einmal Universalist war: „…der Tunbridge Town Record… berichtet von der Bildung einer Universalisten-Gemeinschaft im Jahre 1797, drei der Mitglieder waren Asael Smith, Jesse Smith (der älteste Sohn) und Joseph Smith (der Vater des Propheten).“ (The Ensign, Febr. 1971, Seite 16)

Obwohl Joseph Smiths Vater ein Universalist in Tunbridge war, unterstützte er offensichtlich keine Kirche in Palmyra besonders. Joseph Smith erklärt, dass seines „Vaters Familie zum Prebyterianerglauben bekehrt wurde“, aber dass „mein Herz sich irgendwie zur Methodistensekte hingezogen fühlte…“ (Köstliche Perle, Joseph Smith 2:7-8) Da die Presbyterianer und die Methodisten gegen die Universalisten waren, überrascht es nicht, dass das Buch Mormon die orthodoxe Position unterstützt. Es ist auch interessant, dass Alexander Campbell gegen die Universalisten war. Am 5. Dez. 1825 schrieb er:

„…ich würde diese Prediger der allgemeinen Befreiung aus der Hölle ernsthaft bitten, inne zu halten und nachzudenken… wir sind uns sehr sicher, dass all die Universalisten auf Erden keinen einzigen Satz aus all den Offenbarungen Gottes hervorbringen können, der irgendetwas über die Beendigung der Bestrafung der Bösen aussagt.“ (The Christian Baptist, Bd. 3, S. 104-105)

Am 7. Sept. 1826 veröffentlichte Alexander Campbell einen Brief von einem Jungen, der die Lehre der ewigen Strafe in Frage stellte. In diesem Brief lesen wir folgendes:

„Sie werden ohne Zweifel überrascht sein, einen Brief von einem Jungen zu bekommen… Während ich eines Tages über das Thema der Wahrhaftigkeit offenbarter Religion nachdachte, kam ein Gedanke mit besonderer Macht auf, nämlich: Ob die Gottheit irgendein Wesen erschaffen und es in eine Situation bringen würde, in der es für es möglich ist, sich ewiger Bestrafung verdient zu machen… Ich wurde stark in Zweifel über die Göttlichkeit der Bibel geführt… Ich dachte, dass das einzige Ziel der Schöpfung der höchste Grad des Glücks war; der Plan des Allmächtigen hätte versagt, wenn, wie die Heilige Schrift uns zu glauben berechtigt, eine Mehrheit der Menschheit für immer verdammt sein wird… er könnte keines seiner Geschöpfe mit ewigem Elend bestrafen… Ich… kann mich nicht mit der Notwendigkeit oder Gerechtigkeit abfinden, dass Gott ein Wesen ewig für die Auswirkungen einer Schwäche bestraft, in die er hineingeboren wurde. Strafe sollte, dachte ich, proportional zum Verbrechen stehen; aber wenn ewige Strafe für zeitliche Verbrechen angewendet wird, ist dieser Grundsatz der Gerechtigkeit geschändet.“ (The Christian Baptist, Bd. 4, S. 36-37)

Alexander Campbell widmete fast 20 Seiten des The Christian Baptist, um auf die Argumente dieses Jungen zu antworten.

Im Buch Mormon finden wir, dass Alma mit seinem Sohn ein ähnliches Problem hatte:

„Ich sehe mein Sohn, dass noch etwas, was du nicht verstehen kannst, dir Sorge macht, nämlich, wie sich die Gerechtigkeit Gottes mit der Bestrafung der Sünder vereinbart; denn du versuchst zu denken, es sei ungerecht, dass der Sünder in einen Zustand des Elends versetzt werde.

Siehe, mein Sohn, ich will dir diese Sache erklären.“ (Buch Mormon, Alma 42:1-2)

Im Gospel Advocate für den 19. Jan. 1827 lesen wir: „In England… bekennen mehrere der eifrigsten und nützlichsten Unitarier-Geistlichen öffentlich ihren Glauben an die schließliche WIEDERHERSTELLUNG aller Menschen zur Seligkeit…“

In einem anderen Artikel lesen wir von „der Lehre der schließlichen WIEDERHERSTELLUNG“ aller Seelen zur „Heiligkeit und Seligkeit“. (The Gospel Advocate, 3. Febr. 1826, Seite 25)

Nun, in Almas Diskussion mit seinem Sohn scheint er genau diesen Punkt zu beantworten:

„Und nun, mein Sohn, habe ich dir etwas über die WIEDERHERSTELLUNG zu sagen, wovon gesprochen wurde; denn siehe, einige haben die Schrift verdreht… Siehe, es ist erforderlich… dass der Geist des Menschen zu seinem Körper und jeder Teil des Körpers an seinem Platz wiederhergestellt werden sollte.

Und nach der Gerechtigkeit Gottes ist es erforderlich, dass die Menschen nach ihren Werken gerichtet werden, und wenn ihre Werke und die Wünsche ihres Herzens in diesem Leben gut waren, dann sollen sie auch am Jüngsten Tage wieder zu dem hergestellt werden, was gut ist.

Sind aber ihre Werke böse, dann sollen sie auch zum Bösen wiederhergestellt werden…

Denke nicht, dass du von Sünde zur Glückseligkeit wiederhergestellt wirst, weil von der WIEDERHERSTELLUNG gesprochen wurde. Siehe, ich sage dir, Sünde war niemals Glückseligkeit…

Bedeutet das Wort WIEDERHERSTELLUNG, dass man etwas aus seinem natürlichen Zustand nehme und es in einen unnatürlichen oder einen seiner Natur entgegen gesetzten Zustand versetzte?

O mein Sohn, das ist nicht der Fall, sondern das Wort WIEDERHERSTELLUNG bedeutet, Böses für Böses wiederbringen oder Fleischeslust für Fleischeslust oder Teuflisches für Teuflisches - …daher verdammt das Wort WIEDERHERSTELLUNG den Sünder noch völliger und spricht ihn in keiner Weise von Sündenschuld frei.“ (Buch Mormon, Alma 41:1-4, 10, 12, 13 und 15)

Es ist für uns sehr schwierig zu glauben, dass die altertümlichen Nephiten genau über dieselben Themen und Begriffe diskutierten wie zur Zeit Joseph Smiths.

Richard L. Anderson informiert uns, dass „die Universalisten einen Glauben aufrecht hielten, der die orthodoxe Lehre der Verdammnis ablehnte… Eine Konvention kam 1803 über folgenden typischen Grundsatz überein: ‚Wir glauben, dass es einen Gott gibt… der schließlich die ganze Familie der Menschheit zur Heiligkeit und Glückseligkeit wiederherstellen wird.’“ (The Ensign, Februar 1971, Seite 16)

Milton V. Backman Jun. sagt, dass während Joseph Smiths Kindheit in Palmyra „die Ansichten der Universalisten in der Gegend auch durch Broschüren angefacht wurden, die von ihren Apologeten und durch einige begeisterte Sprecher geschrieben waren, die innerhalb von sieben Meilen von Smiths Farm entfernt wohnten…“ (Joseph Smiths Erste Vision, Seite 93)

 

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